Industriepumpe: Bauarten, Auswahl und Hersteller im Überblick
Eine Industriepumpe fördert Flüssigkeiten und fließfähige Medien in industriellen Prozessen. Welche Bauart die richtige ist, hängt vom Medium, vom geforderten Förderdruck und Förderstrom sowie von den Einsatzbedingungen ab. Dieser Ratgeber erläutert die wichtigsten Funktionsprinzipien, gängige Pumpenarten, die Bedeutung der Pumpenkennlinie und nennt Hersteller am Markt.
Was ist eine Industriepumpe?
Als Pumpe werden ausschließlich Maschinen bezeichnet, die zum Transport von inkompressiblen Fluiden eingesetzt werden. Eine Industriepumpe fördert solche Flüssigkeiten in industriellen Anwendungen. Verdichter wie Luft- oder Vakuumpumpen zählen technisch nicht zu den Pumpen, da sie kompressible Medien bewegen.
Wichtige Fragen bei der Auswahl
Pumpen gibt es viele, deshalb ist es nicht ganz einfach, die passende Industriepumpe für einen bestimmten Einsatz zu finden. Folgende Fragen sollten vor der Auswahl beantwortet werden können:
- Wird ein bestimmter Förderdruck benötigt?
- Wird ein bestimmter Förderstrom benötigt?
- Welches Medium muss gefördert werden?
- Welche Anschlussmöglichkeiten werden an der Pumpe gebraucht?
- Reicht die Pumpenkennlinie für die Anforderungen aus?
- Gibt es einen Geräuschpegel, der nicht überschritten werden darf?
Die richtige Industriepumpe auswählen
Nicht jede Pumpe ist für jeden Zweck die richtige. Die Bezeichnung „Pumpe“ wird ausschließlich für Maschinen verwendet, die inkompressible Fluide transportieren. Die bekannte „Luftpumpe“ ist technisch gesehen keine Pumpe, sondern ein Kolbenverdichter. Auch die Vakuumpumpe, die mittels eines Vakuums die Pumpkraft umsetzt, ist eigentlich ein Verdichter.
Bei Industriepumpen wird grundsätzlich zwischen zwei Funktionsprinzipien unterschieden:
Strömungspumpen
Strömungspumpen sind auch als Kreiselpumpen bekannt. Die Pumpwirkung erfolgt durch strömungsmechanische Techniken. Das Medium durchströmt die Pumpe, ohne Klappen oder Ventile zu durchfließen. Dadurch kann bei einem Stillstand das Pumpmedium rückwärts fließen, weshalb meist zusätzlich Ventile, Rückschlagklappen, Schieber und Regler eingesetzt werden. Beim Start muss die Pumpe bereits vollständig mit dem Medium gefüllt sein, damit das Strömungsprinzip wirksam wird.
- Nicht selbstansaugend
- Sollte auf der Saugseite im Betrieb nicht gedrosselt sein
Untergruppen: Axialpumpen, Diagonalpumpen, Radialpumpen.
Verdrängerpumpen
Bei Verdrängerpumpen erfolgt der Transport des Mediums über in sich geschlossene Volumina. Dadurch wird ein Zurückströmen des Mediums verhindert. Unterschieden wird zusätzlich zwischen Konstantpumpen, die bei jeder Umdrehung das gleiche Volumen verdrängen, und Verstellpumpen, bei denen sich das Verdrängungsvolumen einstellen lässt.
- Selbstansaugend
- Kann für einen bestimmten Zeitraum auch leer laufen
Untergruppen: Balgpumpen (Blasebalg), Membranpumpen, Rotationskolbenpumpen, Drehkolbenpumpen und weitere.
Die wichtigsten Industriepumpen
Je nach Anforderung kommt eine andere Pumpenform infrage. Die wichtigsten und am häufigsten verwendeten Pumpen sind:
Kreiselpumpen
Bei einer Kreiselpumpe wird die Pumpkraft durch eine Drehbewegung erzeugt. Sie wird überwiegend zur Förderung von Flüssigkeiten genutzt und je nach Form der Laufräder, Stufenzahl, Gehäuseaufbau, Antrieb oder Fördermedium in verschiedene Kategorien eingeteilt. Man unterscheidet in der Regel drei Hauptgruppen: Axialpumpe, Diagonalpumpe und Radialpumpe. Am häufigsten verwendet wird die Radialkreiselpumpe, oft auch Zentrifugalpumpe genannt, da sie neben der Strömung auch die Fliehkraft für den Pumpeffekt nutzt.
Druckluftmembranpumpen
Druckluftmembranpumpen sind vielseitig und einfach einsetzbar. Sie sind oft eine kostengünstige Lösung, wenn in unkritischen Prozessen mit geringeren Druckanforderungen gefördert werden muss. Gesteuert werden sie über ein Luftsteuersystem, das zugleich der wartungsintensivste Bauteil dieser Pumpenart ist. Beim Kauf empfiehlt es sich daher, die Qualität des Luftsteuersystems im Vergleich zu anderen Pumpen genau zu prüfen.
Schlauchpumpen
Eine Schlauchpumpe (Schlauchquetschpumpe oder Peristaltikpumpe) fördert das Medium nach dem peristaltischen Prinzip. Durch einen U-förmig geführten Schlauch wird das Fluid mittels eines Gleitschuhs durchgedrückt. Der Gleitschuh führt eine rotative Bewegung aus und treibt so das Fördermedium voran, ähnlich wie beim Ausdrücken einer Zahnpastatube. Damit die Pumpe wieder ansaugen kann, muss sich der Schlauch nach dem Ausdrücken wieder öffnen. Für kleine Druckanforderungen ist eine Schlauchpumpe gut geeignet.
Exzenterschneckenpumpen
Exzenterschneckenpumpen gehören zu den Verdrängerpumpen und bestehen aus einem Rotor und einem Stator. Der exzentrische Rotor rotiert und sorgt für eine Radialbewegung im Stator, wodurch das Medium kontinuierlich verdrängt wird. Vereinfacht funktioniert die Pumpe wie eine Schraube, die Flüssigkeit im Gewinde vor sich herschiebt. So lassen sich auch dickflüssige oder mit Feststoffen durchsetzte Medien fördern.
Zahnradpumpen
Eine Zahnradpumpe wird für die Förderung unterschiedlichster Medien verwendet; das Zahnrad dient zugleich zur Kraftübertragung beim Antrieb von Hydraulikmotoren. In der chemischen und petrochemischen Industrie werden Zahnradpumpen aufgrund ihrer hohen Zuverlässigkeit und Effizienz gerne eingesetzt. Innen- oder außenverzahnte Ausführungen eignen sich besonders für die kontinuierliche Dauerförderung hochviskoser, abrasiver und aggressiver Medien.
Drehkolbenpumpen
Drehkolbenpumpen (auch Roots-Pumpen genannt) sind zumeist selbstansaugende, ventillose Verdrängerpumpen. Durch zwei ineinander verkämmt laufende Drehkolben wird der Pumpeffekt erzeugt. Sie werden vor allem in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie in vielen weiteren industriellen Bereichen eingesetzt. Die Drehkolbenpumpe besitzt einen hohen Wirkungsgrad und kann sowohl niedrig- als auch hochviskose Medien fördern.
Hubkolbenpumpen
Die Hubkolbenpumpe besteht aus einem Kolben, der in einem Zylinder läuft. Durch die Bewegung des Kolbens und ein verschließbares Ventil werden Zu- und Ablauf gesteuert. Hubkolbenpumpen werden zur Förderung von Flüssigkeiten verwendet. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass dabei hohe Drücke erreicht werden können.
Sinuspumpen
Die Sinuspumpe besteht aus einer wellenförmig gewölbten Scheibe, die sich zwischen zwei festen, halbzylinderförmigen Statoren dreht. Auf der Scheibe sitzt zwischen Druck- und Saugstutzen wie ein Kamm ein Schieber, der in axialer Richtung hin und her gleitet und so die Pumpleistung erzeugt. Durch die schonende, pulsationsarme Förderung lassen sich auch Flüssigkeiten mit großen, stückigen Anteilen und empfindlichen Inhaltsstoffen verarbeiten. Daher werden Sinuspumpen gerne von Brauereien, Getränkeherstellern, Kosmetikfirmen und der chemischen Industrie verwendet.
Schneckenförderer
Schneckenförderer bauen auf dem Prinzip der archimedischen Schraube auf und werden gerne als Förderanlagen für Schüttgüter eingesetzt. Durch eine in einem Trog liegende, motorgetriebene Förderschnecke werden Güter über mehrere Meter transportiert; so lässt sich ein Transport des Mediums von bis zu 60 Metern sicherstellen.
Die Pumpenkennlinie
Die Pumpenkennlinie beschreibt das Verhältnis zwischen Förderhöhe und Förderstrom. Sie ist ein maßgeblicher Faktor für eine fundierte Kaufentscheidung und in der Regel in den Datenblättern der Industriepumpen angegeben. Die Nullförderhöhe beschreibt die maximale Pumphöhe. Abhängig vom maximalen Druck der Nullförderhöhe verläuft die Kennlinie entweder steil oder flach; je nach Anwendung ist der passende Verlauf auszuwählen. Die Kurve sinkt im Verlauf immer ab, da ein höherer Förderstrom nicht zugleich zu mehr Förderhöhe führt. Die zusätzliche Energie wird als Bewegungsenergie umgesetzt.
Hersteller und Anbieter von Industriepumpen
Eine Auswahl von Anbietern im deutschsprachigen Raum (ohne Wertung):
- Vogelsang GmbH & Co. KG, Essen (DE)
- Wilhelm Keller GmbH & Co. KG, Nehren (DE)
- HENNLICH Österreich, Schärding (AT)
- A. RADA GmbH – ALLWEILER Pumpservice, Brunn am Gebirge (AT)
- MCAM Symalit AG, Appenzell (CH)
Hinweis: Die Anbieterliste dient der Orientierung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Angaben ohne Gewähr.
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