Trinkwasseraufbereitungsanlage: Auswahl, Verfahren und Anbieter im Überblick
Eine Trinkwasseraufbereitungsanlage macht Roh- oder Brauchwasser zu Wasser, das den gesetzlichen Anforderungen an Trinkwasser entspricht. Welche Anlage geeignet ist, hängt vor allem von der Herkunft des Wassers und seinen Verunreinigungen ab. Dieser Ratgeber erklärt, worauf es bei der Auswahl ankommt, welche Verfahren üblich sind und welche Hersteller am Markt aktiv sind.
Was ist eine Trinkwasseraufbereitungsanlage?
Eine Trinkwasseraufbereitungsanlage bereitet Wasser so auf, dass es die gesetzlichen und normativen Vorgaben für Trinkwasser (Trinkwasserverordnung, DIN 2000) erfüllt. Je nach Belastung des Rohwassers werden dazu mehrere Verfahren kombiniert, etwa Filtration, Enthärtung, Entsäuerung, Oxidation und Desinfektion.
Die richtige Trinkwasseraufbereitungsanlage auswählen
Wenn Sie Wasser zu Trinkwasser aufbereiten möchten, ist es für die Auswahl der Anlage entscheidend, die Anforderungen an das Wasser genau zu definieren. Je nachdem, wofür das Wasser benötigt wird, kommt eine andere Anlage infrage. Üblicherweise werden drei Wassertypen unterschieden:
- Technisches Wasser (Kraftwerke, chemische Prozesse, Pharmazie): Hier ist oft eine weitgehende Änderung der Wassereigenschaften nötig. Eingesetzt werden unter anderem Entsalzung, Umkehrosmose oder Entgasung.
- Trinkwasser: Bei der Aufbereitung zu Trinkwasser müssen in Deutschland die gesetzlichen normativen Vorgaben (Trinkwasserverordnung, DIN 2000) eingehalten werden. Um eine gleichmäßigere Qualität zu erzielen, werden häufig Wässer aus unterschiedlichen Quellen gemischt, zum Beispiel Uferfiltrat und Talsperrenwasser.
- Badewasser: Wasser für öffentliche Frei- und Hallenbäder muss entsprechend der DIN 19643 aufbereitet werden. Standardverfahren sind hier Flockung, Filtration und Chlordesinfektion.
Was Sie bei der Auswahl beachten sollten
Beim Aufbereiten von Trinkwasser müssen die gesetzlichen und normativen Vorgaben (Trinkwasserverordnung, DIN 2000) eingehalten werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Quelle des Wassers: Grundwasser aus einem ausreichend geschützten Grundwasserleiter muss zum Beispiel weniger aufwendig aufbereitet werden als Quell- oder Oberflächenwasser.
Welche Stoffe sind im Wasser?
Durch geologische Unterschiede ist Wasser oft mit Eisen, Mangan, Nitrat oder Keimen belastet. Abhängig von der Verschmutzung muss die passende Anlage ausgewählt werden.
Typische Verunreinigungen und ihre Entfernung
Die folgende Übersicht zeigt, mit welchen Verfahren eine Trinkwasseraufbereitungsanlage typische Verunreinigungen entfernt:
- (Schmutz-)Partikel: entfernbar durch Flockung, Langsamfiltration, Schnellfiltration und Membranfiltration.
- Keime, Bakterien und Viren: Desinfektion mittels Chlorung, Chlordioxidbehandlung oder UV-Bestrahlung.
- Organische Stoffe: entfernbar durch Flockung, Adsorption und Entgasung.
- Saures Wasser: erfordert Entsäuerung beziehungsweise Stabilisierung, etwa durch Filtration über Calciumcarbonat oder halbgebrannten Dolomit, Entgasung und Dosierung.
- Eisenhaltiges Wasser: zur Enteisenung oder Entmanganung kommen Filterverfahren zum Einsatz.
- Hartes Wasser: Enthärtung durch Schnell- und Langsamentcarbonisierung, Ionenaustausch und Nanofiltration.
Methoden der Trinkwasseraufbereitung
Zur Aufbereitung von Trinkwasser stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die gängigsten sind:
- Enthärtung: Zu hartes Wasser kann durch Entcarbonisierung oder Ionenaustausch enthärtet werden. Bei der Entcarbonisierung wird Kalkmilch eingesetzt, die im Wasser gelöstes Calciumcarbonat ausfällt.
- Ionenaustausch: Dabei werden die Ionen der Härtebildner Calcium (Ca2+) und Magnesium (Mg2+) durch Natriumionen ersetzt.
- Entsäuerung: Zur Entsäuerung werden Entsäuerungsanlagen genutzt. Die Entfernung der aggressiven Kohlensäure dient auch der Vermeidung von Rost im Rohrnetz.
- Desinfektion: Um Keime abzutöten oder Verkeimungen zu verhindern, wird das Wasser in vielen Fällen mit Chlor, Ozon oder UV-Strahlen desinfiziert.
- Sedimentation: Mithilfe von Sandfang und Absetzbecken werden kleinere Schwimmstoffe, Sand und geflockte Schwebstoffe entfernt.
- Mechanische Filtration: Siebe und Filter, meist dicke Schichten aus Quarzsand, entfernen Schwebstoffe sowie Eisen- und Manganflocken.
- Flotation: In Flotationsbecken werden durch Einblasen von Luft feine Schmutzpartikel entfernt.
- Oxidation: Mit Belüftungsanlagen oder Kiesfiltern werden gelöste Eisen- und Manganionen entfernt.
- Entsalzung: Um zum Beispiel Meerwasser zu Trinkwasser aufzubereiten, werden Entsalzungsanlagen genutzt, die das Salz aus dem Wasser entfernen.
- Biochemische Verfahren: Bei der Denitrifikation wird der Nitratgehalt durch Zugabe von Kohlenstoff im Untergrund oder in einem Reaktor vermindert.
- Belüftung: In einem Belebungsbecken werden organische Stoffe wie Phosphate und Stickstoffverbindungen abgebaut.
Normen und Richtlinien der Trinkwasseraufbereitung
In Deutschland sind die Anforderungen an Trinkwasser in der Trinkwasserverordnung und der DIN 2000 geregelt. Wichtige Eckpunkte:
- Es dürfen sich keine krankheitsverursachenden (pathogenen) Mikroorganismen im Trinkwasser befinden.
- Das Wasser sollte mindestens 5° und höchstens 25° deutscher Gesamthärte (°dH) aufweisen.
- Der pH-Wert muss zwischen 6,5 und 9,5 liegen.
Wie Sie Ihre aktuelle Wasserbelastung messen lassen
Zur Feststellung der Wasserbelastung können Sie unterschiedliche Labore beauftragen. Bei den meisten Laboren erfolgt die Messung in drei Schritten:
- Sie bestellen bei einem Labor eine Analyse. Ihnen wird ein Test-Kit zur Probeentnahme zugesendet, das eine detaillierte Anleitung zur korrekten Probeentnahme enthält.
- Sie senden die Probe im Test-Kit an das Labor beziehungsweise an die angegebene Rücksendeadresse zurück.
- Im Labor wird die Probe untersucht. Sobald die Ergebnisse vorliegen, erhalten Sie einen Ergebnisbogen mit allen wichtigen Informationen zu Ihrem Wasser. Diese Werte sind für die Wahl der passenden Anlage maßgeblich.
Hersteller und Anbieter von Trinkwasseraufbereitungsanlagen
Eine Auswahl von Anbietern im deutschsprachigen Raum (ohne Wertung):
- HyperDES watertechnology GmbH, Insingen (DE)
- WDT – Werner Dosiertechnik GmbH & Co. KG, Wertingen (DE)
- IFA Technology GmbH, Rain (DE)
- Aquatec Produktions- und Vertriebs GmbH, Zeltweg (AT)
- Athleticon Handelsges.m.b.H., Wiener Neustadt (AT)
- Paul Schenk AG, Ennetbürgen (CH)
Hinweis: Die Anbieterliste dient der Orientierung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Angaben ohne Gewähr.
Häufige Begriffe rund um die Trinkwasseraufbereitung
Entcarbonisierung
Verfahren zur Enthärtung von zu hartem Wasser. Mit Kalkmilch wird im Wasser gelöstes Calciumcarbonat ausgefällt und so die Härte verringert.
Ionenaustausch
Beim Ionenaustausch werden die Härtebildner Calcium (Ca2+) und Magnesium (Mg2+) durch Natriumionen ersetzt, wodurch das Wasser enthärtet wird.
Entsäuerung
Entfernung der aggressiven Kohlensäure aus dem Wasser. Sie stabilisiert das Wasser und beugt Rost im Rohrnetz vor.
Denitrifikation
Biochemisches Verfahren, bei dem der Nitratgehalt des Wassers durch Zugabe von Kohlenstoff im Untergrund oder in einem Reaktor vermindert wird.
Sie prüfen die Anschaffung einer Trinkwasseraufbereitungsanlage?
Wir geben einen neutralen Marktüberblick und nennen passende Anbieter. Kostenlos und unverbindlich.